Hintergrund

Ein beruflich bedingtes Kontaktekzem kann irritativer, atopischer und/oder kontaktallergischer Natur sein. Eine Entscheidung zur Genese ist selten eindeutig zu treffen. Deshalb ist bei der diagnostischen Aufarbeitung eines möglicherweise beruflich bedingten Kontaktekzems stets zu klären, ob eine Kontaktallergie gegen einen Berufsstoff vorliegt. Die Diagnostik der beruflich bedingten Kontaktallergie stützt sich im Allgemeinen hauptsächlich auf die Überprüfung der für einen bestimmten Berufszweig empfohlenen, kommerziell erhältlichen Testreihen im Epikutantest. Damit sind zwar in der Regel die wichtigsten bekannten Allergene abgedeckt, aber es gibt in allen Branchen einen mehr oder weniger großen Anteil von potentiell allergenen beruflichen Kontaktstoffen, die dabei nicht berücksichtigt sind. Zudem führt der durch technischen Fortschritt bedingte stetige Wandel der beruflichen Exposition dazu, dass diese Empfehlungen nach einiger Zeit an Aktualität verlieren.

Aus diesem Grund ist die ergänzende Epikutantestung mit aktuellen Berufsstoffen und deren Inhaltsstoffen vom Arbeitsplatz des Erkrankten ein unverzichtbarer Bestandteil der berufsdermatologischen Diagnostik. Für viele dieser Stoffe liegen dem Hautarzt jedoch keine Informationen zu den Testmodalitäten, also zur geeigneten Testkonzentration und Trägersubstanz, vor. Dies führt dazu, dass die Stoffe häufig in zu hoher oder zu niedriger Konzentration getestet werden, mit der Folge einer falsch positiven Reaktion, also einer als allergisch gedeuteten irritativen Reaktion, oder eines falsch negativen Ergebnisses, also dem Ausbleiben einer Testreaktion trotz vorliegender Sensibilisierung. Auch die Hersteller von Berufsstoffen, die von den Ärzten um die Lieferung testfertiger Einzelkomponenten gebeten werden, sind häufig nicht ausreichend über die jeweils optimale Testzubereitung informiert. Wahrscheinlich wird in vielen Fällen die Testung erst gar nicht erwogen oder weiter verfolgt, weil die erforderlichen Informationen und Kenntnisse nicht vorliegen, und deren Beschaffung als zu schwierig angesehen wird.
Hier setzt die Arbeit des KAB- Netzwerkes an. Es handelt sich um ein Netzwerk aus berufsdermatologischen Abteilungen mit einer Informations- und Dokumentations-Zentrale, das durch die ‚Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung’ (DGUV) gefördert wird. Die Zentrale des KAB-Netzwerkes befindet sich in der Zentrale des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) an der Universität Göttingen. Bei dem IVDK handelt es sich um ein epidemiologisches Überwachungssystem im Bereich der Kontaktallergie, dem derzeit ca. 50 dermatologische Abteilungen in der BRD, Österreich und der Schweiz angeschlossen sind. Aufgabe der KAB -Zentrale ist es, bei der Testung von Berufsstoffen zu beraten und zu unterstützen, und die Ergebnisse der Testungen zentral zu verwalten. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Testungen mit Berufsstoffen bzw. deren einzelnen Komponenten adäquat und in allen Zentren in derselben Weise durchgeführt werden.

Wenn ein Berufsstoff getestet werden soll, nimmt die entsprechende Klinik Kontakt zur KAB-Zentrale auf. Diese setzt sich mit dem jeweiligen Hersteller des Berufsstoffes in Verbindung, um dessen Inhaltsstoffe zu erfahren und eine Testung der Einzelkomponenten in die Wege zu leiten. Dabei ist es insbesondere erforderlich, für die jeweiligen einzelnen Komponenten adäquate Testzubereitungen zu ermitteln, und die einzelnen Komponenten auf der Grundlage des vorhandenen Wissens - auch unter toxikologischen Gesichtspunkten - kritisch zu bewerten. Die Hersteller werden nach Ermittlung der geeigneten Testzubereitung gebeten, entsprechende Testsubstanzen zur Verfügung zu stellen und an die jeweilige Klinik zu schicken. Parallel zu den Kontakten zwischen der KAB-Zentrale und dem Hersteller des Berufsstoffes werden Empfehlungen für das Vorgehen bei der Testung des jeweiligen Produktes an die anfragende Klinik gegeben.
Die Ergebnisse der Testungen werden von der Klinik an die KAB- Zentrale übermittelt und von hier mit Interpretation an den Hersteller zurückgemeldet.

Nähere Details zum Ablauf sind der folgenden Abbildung zu entnehmen:

Abbildung: Arbeitsweise des Netzwerks "Kontaktallergien durch Berufsstoffe"